SchulSanitäsDienst
- Soziales Engagement an der Schule
- Kompetent und cool wie die Profis
Wie bringt man Schüler dazu, sich ehrenamtlich sozial zu engagieren? Ganz einfach, man muss ihnen etwas bieten: etwa die Möglichkeit, etwas Neues und Aufregendes zu lernen oder die Aussicht auf Autorität und Verantwortung. Die Malteser haben das erkannt. Unter der Regie des Hilfsdienstes sind in drei Mindener Schulen Schulsanitätsdienste entstanden. Sie funktionieren erstaunlich gut.
- Kürzlich beim Ausflug in den Zoo passierte es.
Unmittelbar vor den
Hauptschülern aus Todtenhausen brach eine Frau zusammen. Die
wussten sofort, was zu tun war. „In eine stabile Seitenlage bringen“,
sagt Leroy Telke, „und den Notdienst verständigen.“
Leroy ist einer der Schulsanitäter, die es seit zwei Jahren an der Hauptschule gibt. Dass er sein Wissen auch außerhalb der Schule einsetzte, ist ungewöhnlich. Doch der Vorfall beweist, dass Leroy Telke und die anderen Schulsanitäter gelernt haben hinzuschauen und zu helfen, wenn etwas passiert. Das haben sie bei den Maltesern gelernt. Die Gruppe von etwa zehn Jungen und Mädchen ist gut ausgebildet, hat einen Kurs in Erster Hilfe besucht und außerdem die Malteser-Ausbildung zum Schulsanitäter erfolgreich absolviert.
In der Käthe-Kollwitz-Realschule sind es 17 Schülerinnen und Schüler, die diese Qualifikation vorweisen können. Das hat sich in der Schülerschaft herumgesprochen. Ohne Murren wird akzeptiert, dass Schulsanitäter gegenüber anderen Schülern weisungsbefugt sind. Die Dienste der Sanitäte werden auf dem Pausenhof und im Sanitätsraum häufig in Anspruch genommen. Während der Unterrichtszeiten ist ein Schulsanitäter ständig über einen Pieper erreichbar. Wenn der Alarm losgeht, darf er jederzeit den Klassenraum verlassen.
Die drei Schulsanitätsdienste gibt es erst seit gut zwei Jahren in Minden. Angeregt wurden sie von Thomas Matschke. Der Ausbildungsleiter bei den Maltesern in Minden wollte in den Schulen Partner zu finden, frei nach dem Motto der Malteser Jugend: „Abenteuer helfen“. Am Anfang bildete Thomas Matschke die Schüler und Lehrer in Erster Hilfe und für den Schulsanitätsdienst aus. Seitdem läuft das „Alltagsgeschäft“ in Eigenregie der Schulen.
- In
ihren Betreuungslehrern haben die Schüler ständige
Ansprechpartner. In der Hauptschule Todtenhausen ist das Lutz Heller,
in der Käthe-Kollwitz-Realschule haben die Lehrerinnen Romy
Riechmann und Renate Schilling diese Aufgabe übernommen. Sie
können sich darauf verlassen, dass Thomas Matschke bei Fragen oder
Problemen im Hintergrund stets bereits steht.
In der Hauptschule Todtenhausen wurden die Schulsanitäter in diesem Schuljahr fast 90-mal eingesetzt. Über ihre Einsätze führen sie ordentlich Buch. Kleine und große Fälle sind darunter: Nasenbluten und Übelkeit, aber auch klaffende Platzwunden. Dreimal musste der Rettungswagen kommen. Manchmal stehen nur die zwei Wörter „soziale Kompetenz“ hinter dem Datum. „Da brauchte der Schüler eigentlich nur jemanden zum Reden“, sagt Schulsanitäter Dominic Zöllner. Kein Wunder, dass Schulleiter Harald Steinmetz hinter seinem Malteser-Schulsanitätsdienst steht. „Die Gruppe ist ein Glücksfall für die Schule“, sagt er.
„Die Schüler entwickeln sich, weil sie Verantwortung übernehmen“, meint Romy Riechmann. Das wird von der Schule honoriert. In den Zeugnissen wird das soziale Engagement positiv gewürdigt. Bereits drei Schulsanitäter der Realschule haben den „Award für soziales Engagement“ der Volksbank Minden-Hille-Porta erhalten.
Wer sich sozial so sehr hervortut, kann damit bei der Bewerbung für den Beruf punkten. Davon ist Schulleiterin Gabriele Cäsar-Suttmann überzeugt: „Die Schüler lernen im Schulsanitätsdienst nicht nur unglaublich viel über die Erste Hilfe und Erstversorgung, sondern sie verbessern auch ihre Sozial-kompetenz, etwa in der Gesprächsführung.“
Von ihren großen Kollegen werden die Schulsanitäter schon jetzt akzeptiert. Die Realschülerin Angela Bergen hat vor kurzem eine stark blutende Platzwunde am Kopf versorgt – und das so gut, dass der Arzt den Schulsanitätern später ein Kompliment für ihre Arbeit machte. Gabriele Cäsar-Suttmann ist immer noch beeindruckt: „Die sind dabei ruhig geblieben wie echte Profis.“
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